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Auf zu neuen Ufern – Wie Unternehmerinnen der Krise trotzen (III)

Krisen sind Chancen. Was sich leicht sagen läßt, ist im harten Alltag der Corona Pandemie kein einfaches Unterfangen. Flexibilität und Kreativität sind gefragt, wenn es darum geht neue Wege zu gehen und vor allem braucht es eins: Durchhaltevermögen. Wir haben uns gefragt, wie Unternehmerinnen der Krise trotzen und Netzwerkerinnen in unserer kleinen Serie gebeten drei Fragen zu beantworten. Wir wollten wissen, welche Einschränkungen Ihnen die Krise bringt, aber auch welche Chancen sie bietet und welche Wünsche sie an eine Zeit nach der Covid-19-Pandemie haben.

Mirja Heunemann – BegegnungsImpulse
Professionelle Begleitung in Veränderungsprozessen


Welche Einschränkungen bringt die Covid 19 Pandemie für Dich? Was hat sich für Dich geändert?

Mirja Heunemann - Begegnungsimpulse
Mirja Heunemann – Begegnungsimpulse

Mein Kalender war bis zu den Sommerferien mit den verschiedensten Aufträgen ziemlich gut gefüllt. Seit Mitte März sind mittlerweile alle Aufträge bis Mitte Mai storniert worden. Ob diese nachgeholt werden, ist offen. Wie es mit den Aufträgen ab Mitte Mai weitergeht ist noch ungewiss. Meine selbst organisierten Workshops in März, April und Mai habe ich auch erstmal bis auf weiteres abgesagt. Nachholtermine gibt es aufgrund der ungewissen Lage noch nicht. Das Ergebnis ist, dass ich keine Fahrten zu Kund*innen oder Auftraggeber*innen habe.

Mehr Zeit vor dem Bildschirm

Bei Einzelbegleitungen (Coaching, Konfliktberatung u.ä.) können meine Kund*innen wählen, ob diese per Telefon oder Videocall oder weiterhin vor Ort stattfinden sollen. Glücklicherweise ist mein Praxisraum groß genug, um ausreichend Abstand zu halten. Ich verbringe also viel mehr Zeit als sonst zu Hause und vor allem auch vorm Bildschirm. Bei meinen Freizeitbeschäftigungen ist es unterschiedlich. Während das Singen im Chor hier in Werther sowie das Tangotanzen flach fallen, habe ich deutlich mehr Zeit für meinen Garten und die Imkerei.

Wie gehst Du mit Einschränkungen um? Welche kreativen Wege hast Du für Dich entwickelt?

Zu Beginn bin ich in Aktionismus verfallen. Habe fast mehr gearbeitet als sonst. Ich habe sehr viel Zeit vor dem Bildschirm verbracht und mich mit verschiedenen Online-Tools auseinander gesetzt. Vor allem habe ich mich in das Online Tool „Zoom“ hineingefuchst und mich gemeinsam mit Kolleg*innen regelmäßig zum Üben am Bildschirm verabredet. In dieser Zeit war ich überrascht, wieviel Spaß ich tatsächlich dabei hatte. Und das, wo ich doch „vor Corona“ Online-Angeboten eher zurückhaltend gegenüber stand. Ich war nicht wirklich dagegen, verspürte gleichzeitig nicht wirklich die Lust, mich damit auseinanderzusetzen. Ich vertrat die Meinung „Nichts geht über direkte persönliche Begegnung in Präsenzveranstaltungen“.

Positiv überrascht, was online möglich ist

Nun ja  – mittlerweile habe ich eine differenziertere Haltung. Ich bin weiterhin Fan von direkter persönlicher „analoger“ Begegnung. Und gleichzeitig bin ich immer wieder erstaunt und positiv überrascht, was auch mit Online-Tools alles möglich ist. Sogar Familien- und Systemaufstellungen haben wir im Kolleg*innenkreis bereits erfolgreich durchgeführt!

Es gab jedoch auch die andere Seite. Zeitweise fühlte ich mich unter Druck mitzuhalten und hatte auch immer mal Angst davor „abgehängt“ zu werden. Und ich habe gemerkt, wie wichtig es ist, für ausreichend Bildschirmpausen und Ausgleich zu sorgen. Was mache ich dafür? Spaziergänge, Barfußgehen, Yin-Yoga, Laufsport, Gartenarbeit, Kaffeepause, (Telefon-)Gespräche mit Freund*innen…

Nachspüren, was der Kern meiner Arbeit ist

Mittlerweile bin ich meistens wieder in Kontakt mit meiner inneren Zuversicht, handele und arbeite entspannter. Habe mehr Blick darauf, was für mich wirklich wesentlich ist. Nehme mir die Zeit nachzuspüren, was der Kern meiner Arbeit ist. Ich möchte mich noch mehr darauf ausrichten, was mein Herz berührt, was durch mich in die Welt will – und dem mutig folgen.

Konkret bedeutet das, dass ich dabei bin zu sortieren, was ich aus meinem Portfolio streiche und welchen Aspekten ich verstärkt nachgehen möchte. Vielleicht auch deshalb geschehen viele hoffnungsvolle Dinge und es zeigen sich neue Lichter am Horizont.

Manchmal fühle ich mich auch zurückversetzt in die Zeit, als ich mit meiner hauptberuflichen Selbständigkeit begonnen habe….

Mut-Salon ins Leben gerufen

Welche kreativen Wege habe ich gefunden? Ich möchte zum einen meinen Beitrag dazu leisten, dass Menschen in dieser herausfordernden Zeit Unterstützung finden, auch unabhängig vom Einkommen. Dazu beteilige ich mich an zwei Initiativen für kostenlose Telefonberatung bzw. Empathieangebote. Ich selbst habe den „Mut-Salon“ ins Leben gerufen. Das kostenlose Online-Angebot, richtet sich an Menschen, die über einen begrenzten Zeitraum füreinander da sind und sich gegenseitig unterstützen. Hier geht es z.B. darum, innezuhalten, Gedanken zu sortieren, Erlebnisse zu verdauen, sich gegenseitig ein Ohr zu leihen oder sich die Hilfe zu holen, die es braucht, um an kleinen oder größeren Vorhaben dranzubleiben.
Meine Bestands-Gruppen in der „Praxiswerkstatt Gewaltfreie Kommunikation“ habe ich mit Hilfe von Zoom auf online umgestellt, eine weitere neu begonnen. Das war und ist eine wundervolle Gelegenheit,  Kund*innen wiederzusehen, mit denen ich verbunden bin, die aber nicht in der Nähe wohnen …

Blended learning – Formate

Ich halte online-Vorträge zum Thema „Wertschätzende Kommunikation“ und bin jetzt sogar gebucht worden, um andere Menschen in „Zoom“ und der Ausrichtung und Moderation von Videokonferenzen zu schulen. Darüber hinaus erarbeite ich gemeinsam mit einem Kollegen interaktive Online Module zu verschiedenen Themen der Wertschätzenden Kommunikation. Auch wenn ich mich sehr darauf freue, mal wieder „in echt“ mit Gruppen zu arbeiten, glaube ich, dass ich einen Teil meiner Angebote auch dann, wenn Präsenzveranstaltungen wieder möglich sind, zumindest als „Blended learning“-Formate gestalte. Es gibt dadurch eine größere Bandbreite und mehr Flexibilität.

Welchen Tipp oder Wunsch hast Du, den Du gerne weitergeben möchten?

Aus meinem Erleben geht es immer wieder darum, dem nachzugehen, was mich gerade bewegt. Mein inneres „Ja“ zu dem, was jetzt ist, zu finden. Aus dieser inneren Haltung heraus kann dann Neues, Kraftvolles entstehen. Ich wünsche mir von Herzen, dass wir in der Zeit nach Corona nicht zurückkehren zum „Business as usual“, sondern jetzt die Zeit nutzen, um unser Leben neu auszurichten und dadurch zum Wandel beitragen.

Nicht nur in unseren Köpfen, sondern auch in unseren Herzen bewegen

Wie kann ich das, was mir jetzt wichtig (geworden) ist, in eine neue andere Welt mit hinübernehmen? Was kann ich dazu beitragen, die Welt zu schaffen, von der mein Herz weiß, dass sie möglich ist?
Ich glaube, dass es dafür notwendig ist, dass wir unsere Herzen öffnen und das, was mit uns, in uns und um uns herum geschieht, nicht nur in unseren Köpfen, sondern auch in unseren Herzen bewegen. Wenn wir immer wieder bewusst innehalten, kleine Schritte gehen und die Unterstützung einer Gemeinschaft, in der wir füreinander da sind, in Anspruch nehmen, kann es gelingen.

Kontakt

BegegnungsImpulse
Professionelle Begleitung in Veränderungsprozessen

Mirja Heunemann
Flachskamp 32
33824 Werther

mh@begegnungsimpulse.de
www.begegnungsimpulse.de