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7. Netzwerktreffen für Unternehmerinnen und Freiberuflerinnen OWL

„Wir können auch anders!“ – Frauen in untypischen Bereichen

Bielefeld 3.4.2014. Fotos: Barbara Franke. Text: Michaela Heinze.

Was haben eine Autohausinhaberin, eine Dipl. Informatikerin, eine Malermeisterin und eine Dipl. Ingenieurin gemeinsam? Sie alle haben sich in frauenuntypischen Berufen selbständig gemacht. Was ihre Beweggründe waren schilderten Sie in einer Podiumsdiskussion im Rahmen der Unternehmerinnen Netzwerkveranstaltung OWL, zu der Michaela Heinze (Frauenbranchenbuch OWL) und Vera Wiehe (Wirtschaftsentwicklungsgesellschaft Bielefeld WEGE mbH) zum 7. Mal einluden.
 
Das Interesse an Technik bekamen Susann Markötter (Autohaus Markötter), Malermeisterin Annette Wolf und Manuela Kramp (Architektur und Sachverständigenbüro Kramp) quasi schon mit der Muttermilch eingeflößt. Alle Väter bzw. Mütter und Großväter kamen bereits aus der Branche und waren Vorbilder für die selbständigen Frauen. Sonja Neuß (IT Service & Support) entdeckte ihre Leidenschaft für Computer über den 2. Bildungsweg am Oberstufenkolleg Bielefeld. Weibliche Vorbilder waren dort und später an der Universität wenig bis gar nicht zu finden.

Erreichbarkeit von Vorbildern
Wie wichtig das Thema Vorbilder im MINT Bereich für Mädchen und Frauen ist bestätigte zuvor Dr. Ulrike Struwe vom Kompetenzzentrum Technik und Diversity anhand von Zahlen und Praxisbeispielen.  Die Fachbereiche Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik (MINT) finden bei jungen Frauen noch immer wenig Berücksichtigung in der Berufswahl. Trotz des hohen Bildungsniveaus von studienberechtigten Frauen (52 %) entschieden sich 2012 nur etwa ein Fünftel  für ein Ingenieursstudium. Im Handwerk waren etwa 27% der Auszubildenden weiblich. Eine Ursache seien die fehlenden Vorbilder für Mädchen und junge Frauen, so Dr. Struwe und verwies im Weiteren auf die "Erreichbarkeit von Vorbildern". "Die reichlich überstrapazierte Vorzeigefrau in der Führungsebene" sei wenig hilfreich als Orientierung. Mit dem Projekt "Komm mach MINT" bietet das Kompetenzzentrum derzeit bundesweit rund 1000 Einzelprojekte an, um jungen Frauen die Thematik nahe zu bringen und den Kontakt mit den Unternehmen herzustellen.

Werkzeuge für Mädchenhände

Das manchmal nur Kleinigkeiten nötig sind um das Image7 unternehmerinnen netzwerkveranstaltung owl 014 technischer Berufe zu verbessern, stellte Karin Ressel, Social Entrepreneur und Ashoka Fellow vom Technikzentrum Minden-Lübbecke rasch und eindrucksvoll dar: "Ein Werkzeug so zu verändern, dass es in kleinere Mädchenhände passt, kann da schon mal ausreichen".
Unter ihrer Initiative entstand der Berufsparcour. Ein Projekt in dem sie Unternehmen und Schulen zusammen bringt. Für Betriebe erweist sich der Berufsparcour als ein effizientes Mittel um Jungen und Mädchen mit ihren Fähigkeiten kennen zu lernen und für spätere Praktika oder Ausbildungen auszuwählen. Im Gegenzug erfahren die Jugendlichen in praktischen Übungen wo ihre Stärken liegen.

Die Kommunikation von Frauen
Mehr Verkäuferinnen in ihren Autohäusern einstellen zu können ist das erklärte, aber schwer erreichbare, Ziel von Susann Markötter. "Von meinen 40 Autoverkäufern sind nur 6 weiblich" bedauert sie, denn, "immer mehr Frauen fühlen sich bei einer Autoverkäuferin besser aufgehoben".

Sonja Neuß betreut als Systemadministratorin eine überwiegend weibliche Kundschaft. "Da ist viel Vertrauen mit im Spiel", beteuert sie, "geht es doch letztlich um sensible Daten". Die Kundinnen schätzen ihre Art die "Dinge zu erklären, anstatt nur die Dienstleistung durchzuführen".

Auch Malermeisterin Annette Wolf "redet" mit ihren Kunden. Das Bild vom schweigsamen Handwerker liegt ihr nicht: "wir erklären unseren Kunden ganz genau was wir machen, das würde ich selbst nicht anders wollen."

Manuela Kramp ist als Architektin mit Bauaufsicht nah an der Handwerkerschaft und in der Kommunikation auf dem Bau geübt. Die promovierte Ingenieurin stellt nur weibliche Praktikanten ein um "sie von Anfang an mit der Praxis vertraut zu machen." Für  die jungen Frauen schafft das Klarheit: "auf dem Bau entscheidet sich schnell ob das Architekturstudium für sie das Richtige ist".

Netzwerke schaffen Raum  für Austausch
Vernetzung, Förderung von Frauen untereinander und Vorbilder, da waren sich die Frauen aus der Podiumsdiskussion einig, helfen Frauen dabei ihren eigenen Weg zu finden. So konnten sich die Teilnehmerinnen der Veranstaltung im Foyer des Technologiezentrums Bielefeld an den Ständen von rund 10 Unternehmerinnen Netzwerken aus OWL über deren Angebote und Vernetzungsmöglichkeiten für Frauen informieren. Auch wenn das  Thema der Veranstaltung speziell war, traf es den Nerv der rund 100 teilnehmenden Frauen und bot den Rahmen für weitere Diskussionen.
 
7 unternehmerinnen netzwerkveranstaltung owl 008Das Unternehmerinnen Speed Dating mit Visitenkartentausch begeisterte im Anschluss die Netzwerkerinnen und brachte viele Frauen in einen kreativen Austausch über ihr Alleinstellungsmerkmal. Beim Bio Catering von "Himbeertoni" ging es dann nahtlos in den gemütlichen Teil des Abends über.

Am 25. September 2014 laden die Veranstalterinnen zur 8. Unternehmerinnen Netzwerkveranstaltung OWL ein. Diesmal wird die Kreativität im Fokus des Programms stehen.

Veranstalterinnen:
Vera Wiehe (Wirtschaftsentwicklungsgesellschaft Bielefeld WEGE mbH)
Michaela Heinze (Frauenbranchenbuch OWL)
Wirtschaftsinitiative Mikrounternehmen OWL (WIM OWL)


Fotos: Barbara Franke www.barbarafranke.de  (Barbara Franke im Portrait als Gesicht des Monats)
Text: Michaela Heinze

Teilnehmende Netzwerke:
WOMnet Detmold
BPW Club Bielefeld
Magnet F Paderborn Unternehmerinnen und Führungskräfte Netzwerk
UTE Unternehmerinnetreff Espelkamp, Rhaden, Stemwede und Umgebung
Unternehmerinnennetzwerk Enger Spenge
Flechtwerk Rheda Wiedenbrück
Haller Unternehmerinnentreff
Unterhmerinnenkreis.GT
FrauenNetzWerther
Unternehmerfrauen im Handwerkt BI GT

Bild 1:
Slideshow

Bild 2:
Karin Wessel, Dr. Ulrike Struwe

Bild 3:
Beim Speed Dating